28.06.2005, 15:49
Ärzte Zeitung, 28.06.2005
Sondersteuer soll US-Bürgern ihr Fast-Food vermiesen
US-Kongreß will Fett-Steuer auf Hamburger, Pommes und Cola einführen / "Big Mac" und "Whopper" sind weiterhin gefragt in Imbiß-Ketten
WASHINGTON (dpa). US-Präsident George W. Bush und sein Vorgänger Bill Clinton hatten eine Zeit lang eine Gemeinsamkeit: die Liebe zu Hamburgern, Hot Dogs, Pommes frites und Cola. Zwar verzichtet Clinton seit kurzem auf Fast Food. Eine Herzoperation hat ihm das Risiko fetten Essens demonstriert. Bush und Clinton bleiben aber in den USA die bekanntesten Beispiele wohlhabender Fast-Food-Fans.
Übergewicht trifft in den USA fast zwei Drittel der Bürger. Und während bereits mehr als ein Drittel der Amerikaner mit niedrigem Einkommen als stark übergewichtig gelten, holt die Mittelschicht kräftig auf: Wissenschaftler der Universität Iowa haben entdeckt, daß sich die Fettleibigkeit derzeit besonders unter Bürgern mit überdurchschnittlichem Jahreseinkommen verbreitet.
Eine Schlüsselrolle spielen dabei die Imbißketten. Millionen US-Amerikaner versorgen sich täglich mit Fast Food. Im Kongreß gibt es Überlegungen, mit einer Art Fett-Steuer ungesundes Essen teurer zu machen. In Detroit will Bürgermeister Kwame Kilpatrick schon bald eine Sondersteuer für Hamburger oder Pommes einführen.
Doch die Fast-Food-Giganten wollen nicht das häßliche Image der Volks-Dickmacher tragen und werben seit Jahren mit aufwendigen Kampagnen für gesundes Essen - allerdings mit begrenztem Erfolg. Zwar ließen die US-amerikanischen Richter bisher alle Kläger abblitzen, die Fast-Food-Ketten ähnlich zur Verantwortung ziehen wollten wie krebskranke Raucher die Tabakindustrie, die Milliarden-Entschädigungen zahlen mußte. Aber die Imbiß-Ketten wollen möglichst wenig Angriffsflächen bieten. Also haben sie populäre Diät-Autoren als Berater engagiert, propagieren Fitneß-Programme und offerieren ein breites Spektrum kalorienarmer Kost.
Salate will kaum jemand im Burger-Restaurant
Frische Salate, Sandwichs oder Suppen haben sich mittlerweile auch in vielen Imbiß-Ketten durchgesetzt. Der Erfolg allerdings ist ausgeblieben: Trotz hunderter Millionen Werbegelder greift der US-Konsument besonders gern zum "Doppelwhopper" (980 Kalorien) oder dem "Big Mac" (580 Kalorien). Besonders für Kinder und Jugendliche sind die Menü-Angebote - Burger, Fritten und Cola (über 1000 Kalorien) - für umgerechnet 2,30 Euro verlockend.
Und selbst Salate und Hühnchen-Gerichte suggerieren oft nur, daß es sich um leichte Kost handelt. Taco Bells "Fiesta Salat" hat 870 Kalorien. Und auch ein Salat mit Hühnchen bei McDonald’s kann mit Dressing leicht über 600 Kalorien haben.
Monster-Burger verkauft sich besser als Fitneß-Menüs
Einige Imbißketten haben Konsequenzen gezogen. Hardee’s punktet derzeit mit einer kulinarischen Neuschöpfung in Form eines "Monster Thickburgers" mit 1420 Kalorien. Das verkaufe sich erheblich besser "als gesundheitsbewußte Produkte", betonte Hardee’s-Chef Andy Puzder in der Zeitung "USA Today". "Wir sagen den Kunden nicht, was sie tun sollen, sie sagen es uns."
Nach wie vor stehen bei US-Amerikanern drei Gerichte an der Spitze der Beliebtheit: Hamburger, Pizza und Pommes frites. "Amerikaner hatten immer die Möglichkeit, gesund zu essen, aber sie haben dazu nicht den Willen", meint der renommierte Gesundheitsexperte Harry Balzer.
Burger King hat einem "Newsweek"-Bericht zufolge sogar eine Gegenstrategie entwickelt: Um die wichtige Zielgruppe der Stammkunden zu begeistern, zielt die Werbung auf den "erwachsenen" Konsumenten, der sich mutig für ein Omelettsandwich mit 760 Kalorien entscheidet. Und obwohl auch McDonald’s unverdrossen für Salate wirbt, greifen die Kunden doch lieber zum McGriddle (560 Kalorien).
Uli
Sondersteuer soll US-Bürgern ihr Fast-Food vermiesen
US-Kongreß will Fett-Steuer auf Hamburger, Pommes und Cola einführen / "Big Mac" und "Whopper" sind weiterhin gefragt in Imbiß-Ketten
WASHINGTON (dpa). US-Präsident George W. Bush und sein Vorgänger Bill Clinton hatten eine Zeit lang eine Gemeinsamkeit: die Liebe zu Hamburgern, Hot Dogs, Pommes frites und Cola. Zwar verzichtet Clinton seit kurzem auf Fast Food. Eine Herzoperation hat ihm das Risiko fetten Essens demonstriert. Bush und Clinton bleiben aber in den USA die bekanntesten Beispiele wohlhabender Fast-Food-Fans.
Übergewicht trifft in den USA fast zwei Drittel der Bürger. Und während bereits mehr als ein Drittel der Amerikaner mit niedrigem Einkommen als stark übergewichtig gelten, holt die Mittelschicht kräftig auf: Wissenschaftler der Universität Iowa haben entdeckt, daß sich die Fettleibigkeit derzeit besonders unter Bürgern mit überdurchschnittlichem Jahreseinkommen verbreitet.
Eine Schlüsselrolle spielen dabei die Imbißketten. Millionen US-Amerikaner versorgen sich täglich mit Fast Food. Im Kongreß gibt es Überlegungen, mit einer Art Fett-Steuer ungesundes Essen teurer zu machen. In Detroit will Bürgermeister Kwame Kilpatrick schon bald eine Sondersteuer für Hamburger oder Pommes einführen.
Doch die Fast-Food-Giganten wollen nicht das häßliche Image der Volks-Dickmacher tragen und werben seit Jahren mit aufwendigen Kampagnen für gesundes Essen - allerdings mit begrenztem Erfolg. Zwar ließen die US-amerikanischen Richter bisher alle Kläger abblitzen, die Fast-Food-Ketten ähnlich zur Verantwortung ziehen wollten wie krebskranke Raucher die Tabakindustrie, die Milliarden-Entschädigungen zahlen mußte. Aber die Imbiß-Ketten wollen möglichst wenig Angriffsflächen bieten. Also haben sie populäre Diät-Autoren als Berater engagiert, propagieren Fitneß-Programme und offerieren ein breites Spektrum kalorienarmer Kost.
Salate will kaum jemand im Burger-Restaurant
Frische Salate, Sandwichs oder Suppen haben sich mittlerweile auch in vielen Imbiß-Ketten durchgesetzt. Der Erfolg allerdings ist ausgeblieben: Trotz hunderter Millionen Werbegelder greift der US-Konsument besonders gern zum "Doppelwhopper" (980 Kalorien) oder dem "Big Mac" (580 Kalorien). Besonders für Kinder und Jugendliche sind die Menü-Angebote - Burger, Fritten und Cola (über 1000 Kalorien) - für umgerechnet 2,30 Euro verlockend.
Und selbst Salate und Hühnchen-Gerichte suggerieren oft nur, daß es sich um leichte Kost handelt. Taco Bells "Fiesta Salat" hat 870 Kalorien. Und auch ein Salat mit Hühnchen bei McDonald’s kann mit Dressing leicht über 600 Kalorien haben.
Monster-Burger verkauft sich besser als Fitneß-Menüs
Einige Imbißketten haben Konsequenzen gezogen. Hardee’s punktet derzeit mit einer kulinarischen Neuschöpfung in Form eines "Monster Thickburgers" mit 1420 Kalorien. Das verkaufe sich erheblich besser "als gesundheitsbewußte Produkte", betonte Hardee’s-Chef Andy Puzder in der Zeitung "USA Today". "Wir sagen den Kunden nicht, was sie tun sollen, sie sagen es uns."
Nach wie vor stehen bei US-Amerikanern drei Gerichte an der Spitze der Beliebtheit: Hamburger, Pizza und Pommes frites. "Amerikaner hatten immer die Möglichkeit, gesund zu essen, aber sie haben dazu nicht den Willen", meint der renommierte Gesundheitsexperte Harry Balzer.
Burger King hat einem "Newsweek"-Bericht zufolge sogar eine Gegenstrategie entwickelt: Um die wichtige Zielgruppe der Stammkunden zu begeistern, zielt die Werbung auf den "erwachsenen" Konsumenten, der sich mutig für ein Omelettsandwich mit 760 Kalorien entscheidet. Und obwohl auch McDonald’s unverdrossen für Salate wirbt, greifen die Kunden doch lieber zum McGriddle (560 Kalorien).
Uli