25.10.2005, 13:05
Kontaktallergie bei Kindern Kontaktallergie auch schon bei den ganz Kleinen
( Bericht von einem Kongress über Neurodermitis im Mai 2004 , leider nicht Internet-gängig)
Kontaktsensibilisierungen sind bei Kindern keineswegs selten. Bei entsprechendem klinischen Bild kann eine Testung sogar im Säuglingsalter sinnvoll sein – besonders wenn ein atopisches Ekzem (= Neurodermitis) vorliegt.
Die Inzidenz des allergischen Kontaktekzems im frühen Kindesalter liegt etwa bei 1,5%. Ab dem 8. Lebensjahr ist ein stetiger Anstieg zu verzeichnen, bis im Alter von etwa 14 Jahren die gleiche Inzidenz wie bei Erwachsenen erreicht wird – je nach Literaturquelle 13 – 24%.
Bei Verdacht in jedem Alter testen
Bei Neurodermitispatienten sei die Inzidenz eines Kontaktekzems jedoch deutlich höher, erläuterte Dr. Marcus Freitag: Bis zu 43% aller Betroffenen leiden mindestens an einer Kontaktallergie, so der Bochumer Allergologe. Dies` rechtfertige im Verdachtsfall eine Testung, völlig unabhängig vom Alter des Patienten. Die übliche Epicutantestung am Rücken sei dabei durchaus auch bei Kleinkindern bereits möglich. Zu beachten sei allerdings, dass im Kindesalter eher irritative Reaktionen auftreten können, die nicht als Allergie fehlgedeutet werden dürfen.
Ein Verdacht auf eine Kontaktallergie sei, so Freitag, bereits bei besonders hartnäckigen Krankheitsbildern gegeben: Es könnte sich eine Kontaktallergie gegen das angewendete topische Medikament dahinter verbergen.. Einzelne Bestandteile der Basispflegemittel, die bei Neurodermitis eingesetzt werden, zählen mit zu den häufigsten Kontaktallergenen, beispielsweise Salbengrundlagen wie Wollwachsalkohole.
Haarspray und Handy-Hüllen als Allergenquellen
Bei Säuglingen und Kleinkindern sei zu beachten, so Freitag, dass eine Kontaktallergie auch gegen Allergene bestehen könne, mit denen das Kind selbst gar nicht direkt in Kontakt kommt, beispielsweise das Haarspray der Mutter. „Schuhdermatiden“ entstehen leicht bei enganliegendem Schuhwerk. Mögliche Auslöser sind hier Gerbstoffe, Gummiadditiva oder Farbstoffe. Bei Schulkindern treten öfter Kontaktallergien gegen Bestandteile von Klebstoffen oder Radiergummi auf. Zu den häufigsten Auslösern von Kontaktallergien zählen Metalle ( Nickel, Kobalt, Kaliumdichromat), die in Ohrschmuck, Zahnspangen, Piercings oder verchromten Handy-Hüllen enthalten sind.
Häufige Kontaktallergene im Kindesalter
- Metalle ( Nickel, Kobalt, Kaliumdichromat)
- Thiomersal
- Quecksilber
- Duftstoffe, Perubalsam
- Kolophonium
- Wollwachsalkohole
- Klebstoff- oder Gummi-Inhaltsstoffe
- Neomycin
- Bufexamac
- Dispersionsfarben (z.B. in Textilien)
*****
Hauptsache pflanzlich ? Zusammenfassung eines Beitrags aus > Der Deutsche Dermatologe April 2002< S. 244-250
Autor: PD Dr.med. Hans Michael Ockenfels, Haut – und Allergieklinik Hanau
Die Anwendung von pflanzlichen Produkten boomt. Aus Angst vor den im Beipackzettel aufgeführten Nebenwirkungen landen jedes Jahr Tonnen von chemischen Arzneimitteln im Müll. Stattdessen greift der Kunde lieber zu den "sanften" Hausmitteln der Pflanzenheilkunde. Die Einsicht, dass auch pflanzliche Stoffe in Arzneien oder Kosmetika schädlich sein können, reift in der Bevölkerung erst langsam. In der Dermatologie sind Nebenwirkungen von Phytostoffen schon lange bekannt, wenn auch noch nicht vollständig erforscht.
Sowohl die kosmetische als auch die pharmazeutische Industrie hat sich auf die Entwicklung und Vermarktung von Bio- und Naturprodukten spezialisiert und in den letzten Jahren eine Flut von Naturkosmetika und Kräuterprodukten auf den Markt gebracht. Die seit Mitte der 90er Jahre zunehmende Präsenz dieses Themas in den Medien spiegelt den Trend wieder
" zurück zur Natur – weg von der Chemie". So ist es kaum noch möglich , ein Schaumbad ohne Kamillen- oder Melissenzusatz zu erwerben.
Suggeriert wird dabei, dass Naturstoffe in Kosmetika und Therapeutika als pflanzliche Alternativen zur Chemie völlig ungefährlich seine. Zu Unrecht- denn manche Pflanzenstoffe können sehr wohl Nebenwirkungen auslösen. Vergiftungserscheinungen bei Kindern , die durch ätherische Öle oder bei Erwachsenen durch grünen Tee ausgelöst wurden, haben in den letzten Jahren erste Reportagen zum Thema "die grüne Gefahr" provoziert (Stern Febr. 2002).Phytotherapeutika sind so dem verklärten öffentlichen Bild von Unschädlichkeit entrückt.
Aber nicht nur die Nebenwirkungen sind größtenteils unerforscht, auch der wissenschaftliche Nachweis der Wirksamkeit steht für die Mehrzahl dieser Substanzen noch aus. Wir Dermatologen kennen seit langem die verschiedenen Nebenwirkungen von pflanzlichen Inhaltsstoffen. Die hohe Zahl der Pollenallergien hat die Bevölkerung dazu gebracht, den Allergiebegriff mit Pflanzen in Verbindung zu bringen. Die kontaktallergisierende Wirkung von Pflanzen blieb in der Öffentlichkeit dagegen eher unbeachtet. Der derzeit bestehende Massenkonsum von " Naturprodukten" mit potentiell phytoallergenen Inhaltsstoffen könnte bei diesem hohem Sensibilisierungspotential einzelner Pflanzen jedoch ändern und zu hohen Krankheitsstatistiken führen.
(wörtliches Zitat Ende: nun Kurzfassung der verschiedenen Pflanzen(-familien), die zu allergischen Reaktionen führen (können) )
"Tulpenfinger " der Gärtner (z.B. Berufserkrankung holländischer Tulpenzüchter) : schmerzhafte Dermatiden der Fingerkuppen durch das Allergen Tulipalin, das auch in Lilien vorkommt
Weitere Allergene sind das Primin (in Becherprimeln und auch teilweise in Korbblütlern anzutreffen) und Sesquiterpenlaktone in Korbblütler ( Chrysantheme, Margerite, Arnika, Astern, Schafgarbe, Knopfkamille)
Fortsetzung s.u.
( Bericht von einem Kongress über Neurodermitis im Mai 2004 , leider nicht Internet-gängig)
Kontaktsensibilisierungen sind bei Kindern keineswegs selten. Bei entsprechendem klinischen Bild kann eine Testung sogar im Säuglingsalter sinnvoll sein – besonders wenn ein atopisches Ekzem (= Neurodermitis) vorliegt.
Die Inzidenz des allergischen Kontaktekzems im frühen Kindesalter liegt etwa bei 1,5%. Ab dem 8. Lebensjahr ist ein stetiger Anstieg zu verzeichnen, bis im Alter von etwa 14 Jahren die gleiche Inzidenz wie bei Erwachsenen erreicht wird – je nach Literaturquelle 13 – 24%.
Bei Verdacht in jedem Alter testen
Bei Neurodermitispatienten sei die Inzidenz eines Kontaktekzems jedoch deutlich höher, erläuterte Dr. Marcus Freitag: Bis zu 43% aller Betroffenen leiden mindestens an einer Kontaktallergie, so der Bochumer Allergologe. Dies` rechtfertige im Verdachtsfall eine Testung, völlig unabhängig vom Alter des Patienten. Die übliche Epicutantestung am Rücken sei dabei durchaus auch bei Kleinkindern bereits möglich. Zu beachten sei allerdings, dass im Kindesalter eher irritative Reaktionen auftreten können, die nicht als Allergie fehlgedeutet werden dürfen.
Ein Verdacht auf eine Kontaktallergie sei, so Freitag, bereits bei besonders hartnäckigen Krankheitsbildern gegeben: Es könnte sich eine Kontaktallergie gegen das angewendete topische Medikament dahinter verbergen.. Einzelne Bestandteile der Basispflegemittel, die bei Neurodermitis eingesetzt werden, zählen mit zu den häufigsten Kontaktallergenen, beispielsweise Salbengrundlagen wie Wollwachsalkohole.
Haarspray und Handy-Hüllen als Allergenquellen
Bei Säuglingen und Kleinkindern sei zu beachten, so Freitag, dass eine Kontaktallergie auch gegen Allergene bestehen könne, mit denen das Kind selbst gar nicht direkt in Kontakt kommt, beispielsweise das Haarspray der Mutter. „Schuhdermatiden“ entstehen leicht bei enganliegendem Schuhwerk. Mögliche Auslöser sind hier Gerbstoffe, Gummiadditiva oder Farbstoffe. Bei Schulkindern treten öfter Kontaktallergien gegen Bestandteile von Klebstoffen oder Radiergummi auf. Zu den häufigsten Auslösern von Kontaktallergien zählen Metalle ( Nickel, Kobalt, Kaliumdichromat), die in Ohrschmuck, Zahnspangen, Piercings oder verchromten Handy-Hüllen enthalten sind.
Häufige Kontaktallergene im Kindesalter
- Metalle ( Nickel, Kobalt, Kaliumdichromat)
- Thiomersal
- Quecksilber
- Duftstoffe, Perubalsam
- Kolophonium
- Wollwachsalkohole
- Klebstoff- oder Gummi-Inhaltsstoffe
- Neomycin
- Bufexamac
- Dispersionsfarben (z.B. in Textilien)
*****
Hauptsache pflanzlich ? Zusammenfassung eines Beitrags aus > Der Deutsche Dermatologe April 2002< S. 244-250
Autor: PD Dr.med. Hans Michael Ockenfels, Haut – und Allergieklinik Hanau
Die Anwendung von pflanzlichen Produkten boomt. Aus Angst vor den im Beipackzettel aufgeführten Nebenwirkungen landen jedes Jahr Tonnen von chemischen Arzneimitteln im Müll. Stattdessen greift der Kunde lieber zu den "sanften" Hausmitteln der Pflanzenheilkunde. Die Einsicht, dass auch pflanzliche Stoffe in Arzneien oder Kosmetika schädlich sein können, reift in der Bevölkerung erst langsam. In der Dermatologie sind Nebenwirkungen von Phytostoffen schon lange bekannt, wenn auch noch nicht vollständig erforscht.
Sowohl die kosmetische als auch die pharmazeutische Industrie hat sich auf die Entwicklung und Vermarktung von Bio- und Naturprodukten spezialisiert und in den letzten Jahren eine Flut von Naturkosmetika und Kräuterprodukten auf den Markt gebracht. Die seit Mitte der 90er Jahre zunehmende Präsenz dieses Themas in den Medien spiegelt den Trend wieder
" zurück zur Natur – weg von der Chemie". So ist es kaum noch möglich , ein Schaumbad ohne Kamillen- oder Melissenzusatz zu erwerben.
Suggeriert wird dabei, dass Naturstoffe in Kosmetika und Therapeutika als pflanzliche Alternativen zur Chemie völlig ungefährlich seine. Zu Unrecht- denn manche Pflanzenstoffe können sehr wohl Nebenwirkungen auslösen. Vergiftungserscheinungen bei Kindern , die durch ätherische Öle oder bei Erwachsenen durch grünen Tee ausgelöst wurden, haben in den letzten Jahren erste Reportagen zum Thema "die grüne Gefahr" provoziert (Stern Febr. 2002).Phytotherapeutika sind so dem verklärten öffentlichen Bild von Unschädlichkeit entrückt.
Aber nicht nur die Nebenwirkungen sind größtenteils unerforscht, auch der wissenschaftliche Nachweis der Wirksamkeit steht für die Mehrzahl dieser Substanzen noch aus. Wir Dermatologen kennen seit langem die verschiedenen Nebenwirkungen von pflanzlichen Inhaltsstoffen. Die hohe Zahl der Pollenallergien hat die Bevölkerung dazu gebracht, den Allergiebegriff mit Pflanzen in Verbindung zu bringen. Die kontaktallergisierende Wirkung von Pflanzen blieb in der Öffentlichkeit dagegen eher unbeachtet. Der derzeit bestehende Massenkonsum von " Naturprodukten" mit potentiell phytoallergenen Inhaltsstoffen könnte bei diesem hohem Sensibilisierungspotential einzelner Pflanzen jedoch ändern und zu hohen Krankheitsstatistiken führen.
(wörtliches Zitat Ende: nun Kurzfassung der verschiedenen Pflanzen(-familien), die zu allergischen Reaktionen führen (können) )
"Tulpenfinger " der Gärtner (z.B. Berufserkrankung holländischer Tulpenzüchter) : schmerzhafte Dermatiden der Fingerkuppen durch das Allergen Tulipalin, das auch in Lilien vorkommt
Weitere Allergene sind das Primin (in Becherprimeln und auch teilweise in Korbblütlern anzutreffen) und Sesquiterpenlaktone in Korbblütler ( Chrysantheme, Margerite, Arnika, Astern, Schafgarbe, Knopfkamille)
Fortsetzung s.u.