14.07.2007, 14:26
Zitat:Allergie-Channel - 10.7.2007 - 14:43
URL: http://www.stern.de/allergie/aktuelles/591864.html
Kontaktallergie
Reizende Kunstnägel
Künstliche Fingernägel werden immer beliebter: Schätzungsweise jede zweite bis dritte Frau zwischen 15 und 50 Jahren lässt sich mit natürlich gestalteten oder fantasievoll verzierten künstlichen Nägeln verschönern. Doch nicht jede verträgt die neuen Nägel ohne Probleme.
Damit die neuen Fingernägel halten, befestigen Nageldesignerinnen sie mit speziellen Wirkstoffen. \"Diese häufig verwendeten Methacrylate können eine unangenehme Kontaktallergie auslösen\", sagt der Göttinger Hautarzt Prof. Dr. Thomas Fuchs vom Ärzteverband Deutscher Allergologen (ÄDA). \"Die Betroffenen leiden unter Bläschenbildung und Juckreiz.\" Wichtigste Maßnahme in der Behandlung von Kontaktallergien ist das Meiden des Allergieauslösers. \"Auf die schönen neuen Nägel müssen die Patienten aber nicht unbedingt verzichten\", sagt Fuchs. \"Acrylat-freie Gels zur Befestigung der Nägel können bereits zu einer weitgehenden Beschwerdefreiheit führen.\"
Sabine Möck, staatlich geprüfte Nageldesignerin aus Langenbrettach, schätzt, dass etwa ein Prozent der Frauen mit künstlichen Nägeln an einer Kontaktallergie leiden. Häufiger betroffen sind Mitarbeiter in Nagelstudios. Auch Sabine Möck leidet an einer Acrylat-Allergie: \"Etwa zwei bis drei Stunden nach dem Befestigen künstlicher Nägel und deren Aushärtung bildeten sich an meinen Händen kleine rote Pickel, die heftig juckten. Da half nur noch Kortison.\" Sabine Möck verwendet jetzt ein acrylatfreies Gel und hat praktisch keine Beschwerden mehr.
Allergien auch bei Zahnarzthelferinnen und Laborangestellten
Wissenschaftler aus Israel stellten bei Patienten mit Verdacht auf Kontaktallergie durch künstliche Nägel fest, dass vor allem vier Substanzen eine Allergie verursachen: 2-Hydroxyethyl-Methacrylat, 2-Hydroxypropyl-Methacrylat, Ethylenglykol-Dimethacrylat und Ethyl-Cyanoacrylat. Diese sogenannten Acrylmonomere sind bedeutende Auslöser für Kontaktallergien und allergisch bedingte Berufskrankheiten bei Zahnärzten, Zahntechnikern, Orthopäden, Krankenschwestern und Nagelstylisten. In einer Hautklinik in Schweden wurden zwischen 1995 und 1998 insgesamt 174 Beschäftigte aus zahnärztlichen Praxen oder Labors auf Allergien untersucht. Bei 109 (63 Prozent) bestand ein Handekzem. Die häufigste Allergieursache waren Acrylate. Sie waren bei 22 Prozent (24 der 109 Betroffenen) die Auslöser der Beschwerden.
Dämpfe beim Aushärten lösen Allergie aus
Bei der Aushärtung von Methacrylaten entstehen Dämpfe, die eine allergische Reaktion der Haut an Händen und Fingern auslösen. Besonders Patienten mit berufsbedingter Kontaktallergie auf Acrylate leiden häufig auch unter Symptomen an den Unterarmen, im Gesicht und Nacken. Missempfindungen wie Kribbeln und Taubheitsgefühle sind selten, können aber bis zu acht Monate anhalten. In Tierversuchen zeigten Acrylate einen nervenschädigenden Effekt.
Der Hautarzt und Allergologe Fuchs empfiehlt, bei Handekzemen oder Verdacht auf eine Kontaktallergie einen allergologisch ausgebildeten Facharzt aufzusuchen: \"Eine fachärztliche allergologische Diagnostik ist wichtig, um die Allergieauslöser eindeutig festzustellen und die richtige Therapie zu beginnen.\"
Uli